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neuer termin Dienstag, 19.9.2006, 20 Uhr:
Feridun Zaimoglu

1964 im anatolischen Bolu in der Türkei geboren und bereits als kleiner Junge mit seinen Eltern nach Deutschland umgezogen, studierte er Kunst und Humanmedizin in Kiel. Dort lebt er nach wie vor, aber die berufliche Richtung hat er – zum Glück für uns Leserinnen und Leser – gewechselt. Zaimoglu wurde Journalist und Schriftsteller, und zwar einer der vielseitigsten und sprachlich kreativsten, die gegenwärtig auf Deutsch schreiben. Sein mehrfach ausgezeichnetes, etwa beim Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb preisgekröntes Werk reicht von Erzählungen bis zu Drehbüchern und Theaterstücken.

Für Aufsehen sorgte er gleich mit seinem 1995 erschienenen Debütband "Kanak Sprak" (Rotbuch Verlag) als Erfinder und virtuoser Anwender einer Kunstsprache, die spielerisch mit dem Jargon von Einwanderern aus der Türkei und ihren Nachkommen in Deutschland umgeht. Längst gilt er als "Kultautor" und "Chronist des kulturellen Wandels" (FAZ). Zaimoglu vereint in sich unterschiedliche Stimmen, die er gleichermaßen überzeugend zu Wort kommen lässt.

Das Kunststück, den "weiblichen Ton" zu treffen, gelingt ihm in seinem neuen Roman "Leyla" (Kiepenheuer & Witsch), den Kritiker nahezu aller namhaften Zeitungen als Meisterwerk würdigen. Erzählt ist er aus der Perspektive der Titelheldin, einer Türkin, die mit der ersten Migrantengeneration nach Deutschland kam. Zaimoglu schildert ihr "Vorleben": die Kindheit und Jugend in der patriarchalisch geprägten anatolischen Provinz, übermächtige Traditionen und kleine Freiheiten, das gnadenlose Regiment des tyrannischen Vaters und Schritte hin zur Selbstbestimmung. Auch auf kleinste erzählerische Details verwendet Zaimoglu in seiner Hommage an eine mutige Frau so viel Liebe wie Leylas Schwestern auf die kunstvolle Herstellung ihrer Aussteuer.

Pünktlich zur Lesung bei uns kommt die druckfrische Neuauflage von Zaimoglus Klassiker "Kopf und Kragen. Kanak-Kultur-Kompendium" (Rotbuch Verlag) auf den Markt, über das wir mit dem Autor ebenfalls sprechen wollen.

Vor und nach der Lesung können Sie Spezialitäten der türkischen Küche genießen.

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