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Edgar Hilsenrath:

"Das Märchen vom letzten Gedanken"

Edgar Hilsenrath entstammt einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Geboren wurde er 1926 in Leipzig. Angesichts der eskalierenden antisemitischen Ausschreitungen der Nationalsozialisten siedelte Hilsenraths Mutter mit Edgar und seinem jüngeren Bruder 1938 zu Verwandten nach Rumänien um, wo Faschisten 1941 die Macht übernahmen. Die Hilsenraths wurden ins Ghetto verbracht. 1944, nach der Befreiung durch russische Truppen, schlug sich Edgar Hilsenrath unter lebensgefährlichen Umständen nach
Palästina durch. 1951 wanderte er in die USA aus und wurde amerikanischer Staatsbürger. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland Ende 1975 lebt er in Berlin.

Das internationale Renommee des Schriftstellers Edgar Hilsenrath ist begründet durch seine Romane über den Holocaust und seine Nachwirkungen der Barbarei, etwa "Nacht" und "Der Nazi und der Friseur". Seine Bücher – Weltauflage: über fünf Millionen
Exemplare – wurden in 18 Sprachen übersetzt und in 22 Ländern veröffentlicht. Für seine literarischen Leistungen wurde Hilsenrath vielfach mit namhaften Auszeichnungen geehrt, wie dem Alfred-Döblin-Preis, dem Heinz-Galinski-Preis, dem Jakob-Wassermann-
Preis, dem Hans-Stahl-Preis und im November 2004 der Lion-Feuchtwanger-Preis. "Der Fährmann Hilsenrath, dieser Dichter ist heute zu rühmen. Mit seinen Worten überquert er den Styx in umgekehrter Richtung: von den Toten zu uns, vom Vergessen zum Erinnern …", erklärte der österreichische Autor Robert Schindel in seiner Laudatio.

Bei uns im Literaturhaus liest Hilsenrath, zusammen mit seinem Verleger Volker Dittrich, aus seinem Roman "Das Märchen vom letzten Gedanken" (Dittrich Verlag). Thema des mit dem Alfred-Döblin-Preis prämierten Buches ist der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts: Bis zum Ende des 1. Weltkriegs ließ die damalige türkische Regierung durch das Militär fast zwei Millionen Armenier umbringen. Hilsenrath schildert sowohl die ausgelöschte Welt der Armenier als auch die Strategie der Pogromanstifter, das Morden zu rechtfertigen.

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