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Michel Friedman

"Kaddisch vor Morgengrauen"

Er wurde als Sohn von "Schindler-Juden" 1956 in Paris geboren. 1965 zogen seine Eltern mit ihm nach Frankfurt am Main um. Friedman ist Rechtsanwalt, Politiker und beim Aufbau-Verlag Herausgeber politischer Sachbücher. Bekannt wurde er als
Fernsehmoderator, besonders durch die Sendung "Vorsicht! Friedman!" Von 2000 bis 2003 war er Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. 2001 wurde sein
Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt.

Jüdisches Leben nach der Schoah, und zwar in Deutschland, also unter erschwerten Bedingungen: Das ist das große Thema von Michel Friedmans Debütroman "Kaddisch vor Morgengrauen" (Aufbau-Verlag, 17,90 Euro). Zu Wort kommen lässt er den
Theaterregisseur Julien, der – wie Friedman selbst – der Sohn von Holocaust-
Überlebenden ist. Die Familiengeschichte raubt ihm die Ruhe. So sitzt er nachts am Bett seines schlafenden Sohnes und vergegenwärtigt das Leben und Leid seiner Eltern
Sarah und Ariel, ihre anhaltende Verzweiflung über den Verlust aller Angehörigen, die von den Nazis ausgelöscht wurden, und ihre Schuldgefühle, als Einzige "davongekommen" zu sein. Weil ihm das unausgesprochene Elend seiner Eltern in Ghetto und KZ Qualen bereitete, will Julien seinem eigenen Kind Rechenschaft ablegen, wie er zu dem wurde, der er ist: durch die ständige Präsenz der Ermordeten und das unheilvolle Schweigen, durch die unermüdlichen Anstrengungen, möglichst immer der Beste zu sein und seinen unglücklichen Eltern Freude zu bereiten … Keine Antwort will er seinem Sohn schuldig bleiben. Dabei ist er beseelt von der Hoffnung, dass vor dem Jungen ein unbeschwerteres
Leben liegt, als er es führte.

Friedman stellt Fragen "mit einer solchen Eindringlichkeit, einer solchen existenziellen Radikalität und Wucht, wie es aus seiner Generation keiner tat".
(Nürnberger Nachrichten)

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